15 Jahre Cinestar in Dortmund

15 Jahre CineStar in Dortmund – 15 Fragen an Theaterleiter Carsten Gülker

 

 

 

 

 



 

 









Am 18. Dezember 1997 war es soweit. In unmittelbarer Nähe zum Dortmunder Hauptbahnhof eröffnete am neu gestalteten Platz vor dem Nordausgang der CineStar.

 







 

 



 

 

 

 

 

 

 
Wir nutzten den Anlass und stellten dem sympathischen Manager 15 Fragen:

1. Herr Gülker, wie wird man eigentlich Theaterleiter?

CG: Einen normalen Weg gibt es, glaube ich, nicht. Viele meiner Kollegen sind über ein abgebrochenes Studium in diese Position irgendwann gekommen. Ich habe mein Studium ordentlich abgeschlossen und danach ein Jahr etwas anderes gemacht und hatte dann die Gelegenheit mit einem Kommilitonen zusammen ein Programmkino in der Nähe von Siegen zu übernehmen. Ich hatte von Kino überhaupt keine Ahnung.

2. Sie haben Geschichte, Germanistik und Literaturwissenschaften studiert. Ist es Ihnen leicht gefallen in dieser Branche Fuß zu fassen?

CG: Ich habe mich anfangs schwer getan, da überhaupt keine Erfahrung vorhanden war und so kurz nach dem Studium in die Selbstständigkeit zu gehen, war schon ein Schritt. Und so viel hatte ich auch nicht auf der hohen Kante, aber es ließ sich alles realisieren. Ich habe mir am Ende meiner Überlegungen gesagt, ich versuche das einfach mal und wenn ich sehe, es funktioniert, dann ist es gut und wenn nicht, dann ist es auch gut, aber ich möchte ungern in 20 oder 30 Jahren zu mir sagen: Ach, hättest du doch damals…

Wir haben das Projekt also gemeinsam in Angriff genommen es auch sehr erfolgreich gemacht – acht Jahre lang. Dann eröffnete die Firma CineStar im nahen Siegen ihr Multiplex-Kino und da war uns im Vorfeld klar, dass das auf unsere Umsätze und Besucherzahlen doch einen Einfluss haben würde – nicht unbedingt einen positiven – und verständigten uns darauf, dass ich dann unsere gemeinsame Firma verlasse und mich bei CineStar bewerbe, die auch – das wusste ich –jemanden suchten, der aus der Region kam, sich auch ein bisschen auskannte mit Kino und vielleicht auch nicht mehr 19 oder 20 war, weil es ja auch um eine Führungsposition ging. Mein Partner wollte ohnehin lieber in dem kleinen Ort bleiben, er hatte mittlerweile auch schon Familie. Er war eher der Bodenständige, ich wollte lieber mal was anderes machen und bin dann ein halbes Jahr in Dortmund zur Einarbeitung gewesen und habe in den letzten Wochen von hier aus die Eröffnung in Siegen – soweit das meinen Bereich betraf – vorbereitet und im Oktober 1999 den CineStar in Siegen als Theaterleiter eröffnet. Nach 10 Jahren bin ich dann im Juli 2009 nach Dortmund gewechselt.

3. Würden Sie den Schritt wieder wagen?

CG: Ja. Ich habe es nie bereut. Es ist natürlich – je nach dem von welcher Seite man es betrachtet –nicht so glamourös, nicht so spektakulär, wie es von außen für einen Kinogast aussehen mag. Es ist Arbeit – viel Büroarbeit – gerade als Leiter einer Filiale des größten deutschen Kinobetreibers wird man auch mit anderen Problemen konfrontiert, als es vormals als Selbstständiger der Fall war. Als Angestellter muss man gucken, was will die Firma, was wollen die Geschäftsführer, wie sieht die Firmenpolitik aus.

4. Worauf richtet sich im täglichen Geschäft Ihr Hauptaugenmerk?

CG: Man muss seine Augen eigentlich überall haben. Gerade in diesem Haus, 3700 Sitzplätze, jede Menge Technik, auch was Lüftung und Brandschutz angeht, so  muss man sich vieles aneignen. Eine umfangreiche, komplexe und sehr abwechslungsreiche, spannende Aufgabe insgesamt mit vielen Facetten.

5. Der Dortmunder CineStar hat 14 Säle, sieben im Erdgeschoss und weitere sieben in der ersten Etage. Wie viele Mitarbeiter kommen hier im Schnitt zum Einsatz?

CG: Ungefähr 20 Festangestellte und circa 80 Teilzeitkräfte, Studenten oder geringfügig Beschäftigte. Das hängt natürlich auch immer ein wenig von der Jahreszeit ab, im Winter sind es ein paar mehr und im Sommer ein paar weniger. Aber im Schnitt sind es etwa 100 Mitarbeiter.

6. Wie ich sehe, so findet hier unten gerade eine Firmenveranstaltung statt. Wird das großzügige Ambiente des CineStars  gerne gebucht?

CG: Ja. Von den Räumlichkeiten her bieten wir Möglichkeiten, die es in einem Kongresszentrum so ohne weiteres nicht gibt. Heutzutage wird viel mit Power-Point-Präsentationen und ähnlichen Dingen gemacht. Bei uns müssen keine Leinwände aufgehängt werden – die sind schon da. Was dann projiziert wird, muss man zum Teil mit einbringen. Die Tontechnik ist bereits da, die kann genutzt werden und die ansteigenden Sitzreihen sind auch von Vorteil, wenn jeder etwas sehen soll. Das ist natürlich in einem Saal, wo alles nur ebenerdig ist, etwas schwieriger und das alles verbunden auf relativ kompaktem Raum mit einer großen Foyer-Fläche, wo man auch ein Catering und Getränke reichen kann, passt dann ganz gut zusammen.

7. Einiges passt offenbar gut zusammen. Zählt dazu auch das Konzept, Klassik und Oper im CineStar zu präsentieren?

CG: Ja, das gibt es auch nicht überall. Wir haben da zu den ersten Häusern gehört, die angefangen haben, damit zu experimentieren. Wir bauen das langsam auf. Am Anfang waren es Live-Übertragungen aus der Metropolitan-Opera in New York, mittlerweile bieten wir auch Übertragungen aus dem Bolschoi-Theater in Russland ebenso wie Veranstaltungen aus dem pop-musikalischen Bereich an. Selbst die Berliner Philharmoniker sind in diesem Winter dreimal vertreten.

8. Früher hat es derartige Angebote im Kino nicht gegeben. Ein Indiz dafür, dass man sich als Verantwortlicher Gedanken machen muss, wie man bei – pauschal gesehen - rückläufigen Besucherzahlen eine Querverbindung schafft, um seine Säle dennoch zu füllen und neue Stammgäste zu gewinnen?

CG: Ja, das ist auf jeden Fall ein Aspekt. Die Altersstruktur ändert sich - weniger Jüngere, mehr Ältere, die natürlich auch über gewisse finanzielle Möglichkeiten verfügen, denn diese aufwändigen Live-Geschichten sind auch für uns ein bisschen teurer, so dass die Eintrittspreise ebenfalls ein bisschen höher sind. Diese Angebote sind ohne digitale Projektionstechnik gar nicht realisierbar. Es sind schon sehr leistungsstarke Projektoren, die eben nicht nur 3 D auf die Leinwand bringen können, sondern beispielsweise auch Satellitenübertragungen ermöglichen. Gerade bei den Oper-Übertragungen besuchen uns oft kenntnisreiche, erfahrene Gäste, da muss die Qualität schon stimmen.

9. Stichwort Technik – sie schreitet immer weiter voran – gerade auch im Segment Home-Entertainment. Eine Gefahr für das Kino der Zukunft?

CG: Das Problem haben wir eigentlich schon immer gehabt – unabhängig von der technischen Entwicklung hinsichtlich der sich ständig verbessernden Qualität von Bild und Ton in beiden Bereichen - Home und Kino. Früher war das eben auf einem niedrigeren Niveau, aber den Fernseher – damals noch Röhre - mit einem Meter Diagonale hat es auch früher schon gegeben, den sich Leute hingestellt haben, obwohl er sehr teuer war und eine Menge Strom verbraucht hat. Da haben wir – die Kinos, meine ich jetzt, auch schon konkurriert mit wesentlich kleineren Leinwänden. Der Trend zu den größeren Leinwänden ist ja erst in den Neunzigern durch den Multiplex-Boom wieder gekommen, weil man sich da gesagt hat, wir müssen mit Blick auf den Home-Bereich, auf die DVD, auf die Film-Piraterie, ein anderes Ambiente bieten, eine andere Qualität vom Bild und vom Ton her. Die in den 70ern gebauten, verschachtelten Innenstadtkinos haben natürlich viele der Kunden abgeschreckt, die sich gerne den neuen James Bond angeschaut hätten, sich aber gesagt haben, ich muss mich nicht in einen Saal mit 35 Plätzen setzen und einer Leinwand, die nicht viel größer ist als das, was ich zuhause habe. Von daher denke ich, dass es diese Konkurrenz zwischen dem, was ich zuhause für mich möglich machen kann und dem, was wir hier anbieten, schon immer gab. Ich bin nach wie vor der Meinung, unabhängig davon wie die Qualität ist, wir bieten einfach mal was anderes. Wer will schon jeden Abend nur auf seinem Sofa sitzen. In dem Fall können wir machen, was wir wollen. Wer sagt, ich will meine Ruhe haben, ich will den Film unterbrechen, wann ich möchte, ich will das Bier trinken, was ich in meinem eigenen Kühlschrank stehen habe, den werden wir nicht ins Kino locken. Wir müssen – und versuchen das natürlich ständig – ein Angebot machen, wo die Leute sagen, da ist ein toller Film im Kino, den möchte ich gerne sehen. Es gibt ja auch viele Berufstätige, die haben nicht jeden Abend Zeit oder Familien, die sagen, wir bestellen uns den Babysitter, wir kaufen das Ticket online, damit wir uns an der Kasse nicht mehr anzustellen brauchen und dann machen wir uns einen schönen Abend im Kino. Da spielt dann auch der Eventcharakter eines solchen Abends eine Rolle. Und das ist das, was auch wichtig ist. Es geht nicht nur um die Größe der Leinwand, 2D oder 3D, es geht um das Erlebnis, das man wieder mal raus geht. Ich kann zuhause Pizza essen, aber ab und zu geh` ich auch gern mal zum Italiener um die Ecke.

10. Sie erwähnten gerade den neuen Bond. Vor einiger Zeit ist „Skyfall“ angelaufen und sorgt seitdem für volle Säle. Sind Sie eigentlich auch Bond-Fan?

CG: Ja, ich bin Bond-Fan, doch habe ich es noch nicht geschafft „Skyfall“ zu sehen. Aber am 24. Dezember soll es soweit sein – gemeinsam mit meiner Familie.

11. Haben Sie einen Lieblingsdarsteller in der Rolle des 007?

Nein. Ich war immer gespannt und offen, wenn der Job neu vergeben wurde. Jeder der Darsteller hatte was und letztendlich finde ich, ist das auch einer der spannenden Aspekte der Bond-Reihe, dass sie sich weiter entwickelt. Nicht das Wiederkäuen eines Konzepts, sondern eine Fortentwicklung, weil sich auch die Welt und die Gesellschaft verändert.

12. Würden Sie Bond im Kino vermissen?

 CG: Ja, auf jeden Fall. Selbst mein Vater, der relativ selten ins Kino gegangen ist, war immer dann da, wenn ein neuer Bond ins Kino gekommen ist.

13. Auf welches aktuelle Film-Highlight dürfen sich die Kinobesucher freuen?

CG: Ganz klar: „Der Hobbit“, der ja auch wieder unter anderem eine neue Technik mit sich bringt: Higher Frame Rate, also 48 statt 24 Bilder pro Sekunde, in 3 D. Wir haben gerade einen Saal umgerüstet auf diese neue Technik.

14. Wenn Sie das Jahr Revue passieren lassen, dann war welcher Film Ihr persönlicher Favorit?

CG: Ohne die Hitlisten durchzugehen, so aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Ziemlich beste Freunde. Das war hier in diesem Haus der erfolgreichste Film, soweit man das bis heute sagen kann. Auch bundesweit war dieser Film sehr erfolgreich und hat viele Dinge gebracht: glückliche Besucher, die sich den Film manchmal auch zwei- oder dreimal angesehen haben. So etwas finde ich besonders schön und dass es etwas gibt, das über den Tag oder Abend, an dem man den Film gesehen hat, hinaus reicht. Was ich an diesem Film auch so besonders finde, so war es eben nicht Hollywood, sondern ein französischer Film und er war auch nicht in 3 D. Und das hat eigentlich das bestätigt, was ich gefragt nach „welche Auswirkung wird 3 D haben“, gefragt nach „technischer Fortschritt“ etc., stets versuche zu transportieren: meiner Ansicht nach müssen wir im Kino Geschichten erzählen. Ob der Ton dabei in Dolby Stereo Surround, ob der Film zwei- oder dreidimensional ausgestrahlt wird, kann vielleicht einen kleinen Teil beitragen zu dem Erlebnis, aber wichtig ist die Geschichte, gute Schauspieler, ein vernünftiges Drehbuch. Das muss passen und damit erreichen wir die Leute, damit machen wir unsere Gäste glücklich und die kommen dann auch gerne wieder.

15. Was steht nächstes Jahr an?

CG: Nun, wir haben ja momentan schon 6 von den 14 Sälen auf digitale Projektion umgerüstet. Die Investitionen gehen im nächsten Jahr weiter. Wann das abgeschlossen ist und auch der letzte der 14 Säle digitalisiert worden ist, kann ich derzeit noch nicht genau sagen, aber wenn es nächstes Jahr nicht gelingt, dann spätestens übernächstes Jahr. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

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